Schwere Gewitter mit rotierenden Aufwinden, zwischen Nördlingen und Günzburg, 29.7.2008

 

Was an diesem Tag abging war ne echte Überraschung. Zwar sollte eine durchschwenkende Kaltfront Gewitter auslösen, aber die Scherung wurde von den Modellen nur sehr schwach berechnet. In Wirklichkeit aber, hatte es eine kräftige südwestliche Höheströmung, die den ganzen Spaß organisieren sollte. Da auch noch viel Energie in der Luft steckte, kam es zu schweren Gewittern.

Nach dem südlich von Augsburg die Luft durch absinken sehr stabil gehalten wurde, schien es Richtung Ulm besser auszuschauen. Hier gingen nämlich erste leichte Gewitter hoch. Also stationierte ich mich bei Meitingen, im Kreis Augsburg und wartete auf die von Westen her kommende Kaltfront. Mit deren Durchgang, würde die Luft aber kaum kühler und Gewitter zog sie auch keine mit. Dafür ging postfrontal eine kräftige Gewitterzelle Richtung Nördlinger Ries hoch. Also nichts wie hin. Schon auf dem Weg zum Gewitter zeigte sich mir ein mächtiger Eisschirm mit Flanking Line.

 

 

 

Nach einem Geduldsspiel hinter mehreren landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen, stand ich dann endlich an der Gewitterzelle. Diese bewegte sich unter Ausscheren nach Südosten, langsam über das Nördlicher Ries. Das Gewitter machte durch die ausgedehnte Wolkenbasis einen recht gut organisierten Eindruck.

 

 

 

 

Dann gings auf einmal richtig rund. Direkt vor mir bildete sich ein massiver rotierender Aufwind aus. So was produziert natürlich massig Niederschlag. Dieser kam dann auch kurze Zeit später hinter dem Aufwind zu Boden gerauscht, zu sehen an dem dichtem Niederschlagskern.

 

 

 

 

 

 

Standortwechsel! Um net von der Zelle überrollt zu werden, bin ich dann ein paar Kilometer nach Süden gefahren. Außerdem baute das Gewitter an der Südwestkante noch mal kräftig an. Von einem Hügel aus hatte ich dann einen schönen Blick auf dem dichtem Niederschlagsfluss und die Reste meines rotierenden Aufwindes.

 

 

 

Aus dem Anbau an der Südwestseite, kam es kurz darauf zu einem gewaltigen Anblick! Der Aufwind fing an schlapp zu machen und ein mächtiger ausgefranster Hagelkern schießt daraufhin von oben durch die Quellungen. Ich will nicht wissen was darunter abgegangen sein muss!

 

 

 

 

 

 

Grund für das kaputtgehen des ersten Gewitters waren Neuentwicklungen auf der anderen Donauseite. Diese machten den Zustrom dicht. Die Zellen wurden natürlich sofort gejagt. Auf dem Weg dort hin bin ich ganz kurz mal in kräftigen Niederschlag mit Hagel gekommen. Bei Dillingen zeigt sich mir eine kleinräumige rotierende Gewitterzelle. Die stand wie ein Korkenzieher über der Landschaft. Welche Ausmaße Gewitterzellen haben, wird einem mal deutlich, wenn man diese kleine Zelle mit den Kühltürmen von Deutschland größten Atomkraftwerks, Gundremmingen vergleicht. Dieses befindet sich links unten im Bild.

 

 

 

Im Osten zeigen sich währenddessen frische Gewitterzellen. Hier zündete es jetzt an der Kaltfront!

 

 

 

Doch mein Augenmerk lag auf dieser Gewitterzelle. Links unten ist knapp über dem Boden ist eine Versorgungslinie zu sehen. Von dort aus saugte dieses Gewitter munter Energie aus dem Alpenvorland in sich rein.

 

 

 

Natürlich gings dann gleich weiter nach Süden zum Aufwindbereich der nach Westen ziehenden Zellen. Auf dem Bild geht gerade an der Südostkante ein neuer Aufwindimpuls an der Zelle hoch. Darunter ist eine Wallcloud zu sehen.

 

 

 

Bei Thannhausen, Kreis Günzburg, war ich dann schließlich an dem Sturm dran. Mir bot sich eine turbulente Wolkenbasis. Darunter hing eine Wallcloud, die mit einer sehr lange Schleppe feuchte Luft aus dem Niederschlagskern anzapfte. Das Ganze wurde von Blitzen im Sekundentakt und pausenloses Donnergrollen untermalt. Ein echt heftiger Sturm, an dem ich auch Rotation erkennen konnte! Wie die andere beiden Gewittern, war der hier natürlich auch wieder Superzellenverdächtig.

 

 

 

Dann wollte das Gewitter auch noch Staubsaugen, wie man schön an der Funnel über dem Weg sieht. Es kam aber höchst wahrscheinlich nicht zu einem Bodenkontakt.

 

 

 

Doch lange hielt der Spuck nicht. Der Funnel löste sich auf und auch die Zelle begann langsam schwächer zu werden.

 

 

 

Nach dieser Beobachtung bin ich dann noch weiter nach Süden gefahren, um ein weiteres massives Gewitter zu Jagen. An ihm konnte ich aus der ferne schon wieder eine wallcloudverdächtige Absenkung sehen. Doch dieses Gewitter brach mit Sonnenuntergang in sich zusammen, so das ich die Verfolgung schließlich einstellte.

 

 

 

So ging ein wirklich beeindruckender Gewittertag zu Ende, bei dem ich gleich 3 rotierende Stürme vor die Linse bekommen habe. Auch hat er mal wieder gezeigt, dass man den Modelle in Sachen Scherung nur bei großen und klaren Druckverteilungen trauen darf.