Hagelbombe bei Crailsheim und fette Shelf bei Memmingen, 30.6.2012

 

An dem Tag gings zur Sache! Extreme Unwetter standen in extremer Luftmasse an. Das erste Gewitter des Tages ging bei Stuttgart hoch, kam durch die Scherung sofort in Rotation und scherte nach Osten hin aus. Ich schaffte es südlich von Crailsheim mich an die Zelle zu setzten und bekam eine geniale Show geboten. In der Ferne wird der Eisschirm der Superzelle sichtbar! Davor bilden sich lentisartige Strukturen heraus. Auf so einem Himmelsbild steht Unwetterluft drauf!

 

 

 

Endlich verschwand die Sonne hinter dem Eisschirm und das ganze Streulicht der trüben Luft vor dem Sturm war weg. Vor mir baute sich eine Superzelle wie aus dem Lehrbuch auf. Links die Flanking Line, Rechts ein Biberschwanz, Eingedrehter Aufwindturm und ein Eisschirm der sich gegen die Höhenströmung ausbreitete. Das Einzige was noch fehlte war ne Wallcloud.

 

 

 

 

Dann machte die Zelle ernst. Normalerweise bildet sich im Zustrom einer Superzelle neue Zyklen, die am bestehenden Aufwindturm hochquellen und sich in die Rotation einreihen. Wie es aber an dieser Zelle anbaute war einfach nur krank und konnte ich so noch nie beobachten. Erst befand sich rechts neben den bestehenden Aufwind ein stark dunstiger Bereich. Doch dann sprudelte daraus auf voller Höhe bis zum Eisschirm Quellungen, die sich zu einem massiven Aufwindturm vollendete. Ähnlich, wie wenn man eine Flasche mit Sprudel schüttelt und dann aufmacht und sich in der gesamten Flasche auf einmal Blassen bilden.

 

 

 

 

Die Zelle verstärkt sich weiter. Die Aufwindstrukturen die sich vor mir zeigten sind nicht mehr massiv, sonder brutal! Unter laminaren Formationen geht ein extrem Aufwindimpuls Richtung Eisschirm und knallt oben mit voller Wucht gegen die Stratosphäre und bestimmt noch ein paar km in sie hinein. Solche Stürme können gerne mal 15 km hoch werden! Optisch glich das ganze einer Atombombe aus Wasserdampf! Solche massiven Quellungen konnte ich noch nie beobachten und habe sie auch erst auf wenigen Chaser Bildern gesehen. Ich habe zwar schon etwas heftiger Zellen als diese zu Gesicht bekommen, aber! noch nie so was von freistehend. Kein Wunder, das nördlich zu meinen Standort Hagel bis 9 cm vom Himmel viel, dazu noch Kugelrund!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich merke das sich die Zelle abschwächte, machte den Tank voll und dünste nach Süden, Richtung Ulm. Neue Zellen waren in der Schweiz hochgegangen und zündeten einen gewaltigen Gewittersturm. Gleichzeitig, gingen bei Würzburg neue Superzellen hoch. Ich entschied mich für den Süden, weil dort mehr Energie vorhanden war. Und wenn das Teil durchs Alpenvorland scheren sollte, dann gute Nacht!

 

 

 

 

Ich stellte mich bei Memmingen auf ein Feld. Der ausladende Eisschirm über mir machte schon klar, was hier Sache ist. Auf dem Radar konnte ich sehen, wie starke Entwicklungen den Batzen nach Osten zogen. Da wird einem schon mulmig. Jedes mal, wenn bei einer Hochenergielage auf dieser Zugbahn sich eine Zelle gut organisieren konnte, dann kam es von hier bis nördlich von München zu einen übelsten Unwetter. Bodennaher Ostwind in das System und viel Energie würden so einen Szenario nichts im Weg stehen.

 

 

 

Die Shelf rollt aus Westen auf meinen Standort zu. Diese Wolkenfront schaut einfach nur gigantisch aus. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da die südlichen Aufwinde der Gewitterfront nicht richtig mitgezogen wurden und somit vom Inflow getrennt sind, hörte das kurze Ausscheren auf und das Gewitter rauschte mit der Höhenströmung mit Vollgas nach Nordschwaben ab. Das Mega-Unwetter blieb aus. Südlich von Ulm bis in den Großraum Nördlingen, kam an vielen Stellen trotzdem zu Böen bis Orkanstärke. A bisle blöd hatte ich dann schon geschaut. Erst kämpfte ich mich bei Memmingen auf der Autobahn an dicken Ästen vorbei auf die A96, heizte die mit nem Bleifuss ins Lechfeld runter um dann festzustellen, das einen das Wetter gerate verarscht hat. Trotzdem bekam ich hier noch schöne Formationen wie ne Rollcloud und die Ferne Shelf der Unwetterfront zu sehen.

 

 

 

 

 

 

Bei Landsberg dann, ging aus dem Outflow eine neue heftige Gewitterzelle hoch, die schnell nördlich an München vorbeizog. Ich stellte mich auf die Rückseite und genoss die Blitzshow um damit diesen krassen Gewittertag ausklingen zu lassen.